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Streik an Unikliniken

Ratlosigkeit, Wut und Sorgen um die Patienten: Die Stimmungslage an vielen Universitätskliniken in Deutschland war am heutigen Montag (15.05.) zu Beginn der ersten kompletten Streikwoche der Ärzte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen pessimistisch.

Allein in Nordrhein-Westfalen sind mit Wochenbeginn knapp 2000 Mediziner für bessere Arbeitsverhältnisse und mehr Geld in den Ausstand getreten, der nach den Plänen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund erstmals ohne Unterbrechung bis einschließlich Freitag dauern soll. Zu einer zentralen Kundgebung werden an diesem Dienstag tausende Ärzte aus ganz Deutschland in Münster erwartet.


Notvereinbarungen sollen garantieren, dass es in Intensivstationen, in Kreißsälen oder bei der Dialyse nicht zu medizinischen Katastrophen kommt. Doch weder Pflegepersonal noch Mediziner oder Verwaltungsspitzen haben sich diese verfahrene Situation gewünscht. «Der jetzige Zustand ist weder Patienten noch den Kliniken zuzumuten», sagt die Sprecherin der Düsseldorfer Uni-Klinik, Susanne Dopheide. Der kaufmännische Direktor des Kölner Uniklinikums, Jörg Blattmann, sagt: «Die Patienten sind zutiefst verunsichert.» Am neuen Jenaer Universitätsklinikum im Plattenbauviertel Lobeda wirkt alles normal. Taxis bringen Patienten. Viele können gleich wieder umkehren - wie eine Herzpatientin aus dem fast zwei Autostunden entfernten Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. «Ich hätte stundenlang warten müssen und dann auch nur ein Arztgespräch bekommen, aber keine Untersuchung», sagt die Rentnerin. «Wenn uns die Klinik rechtzeitig informiert hätte, wären wir gar nicht gekommen und hätten 150 Euro Taxigeld gespart», ergänzt ihr Mann.

 

 



Für die Klagen der Ärzte hat eine Patientin aus Bucha bei Jena Verständnis. «Die Ärzte müssen wirklich viel schuften», findet sie.

Nicht begeistert wäre sie allerdings, wenn für höhere Ärzteeinkommen die Kassenbeiträge stiegen. «Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage.» Eine ältere Klinikangestellte hat ein ungutes Gefühl wegen des Streiks. «Am Ende trifft es die Patienten.» Derweil ziehen etwa 300 streikende Jenaer Assistenzärzte und Medizinstudenten zu Fuß in das sieben Kilometer entfernt liegende Stadtzentrum - lautstark begleitet von einer Samba-Band.

Auch in Göttingen geht es laut zu. Etwas Beifall, aber auch Pfiffe und Buhrufe von Ärzten. Der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), betritt den überfüllten Hörsaal 81 des Göttinger Universitätsklinikums zu einer Podiumsdiskussion.

Möllring blickt ernst, als ihm der Krebsmediziner Professor Bertram Glass das Ende der Hochleistungsmedizin in Göttingen prophezeit, wenn die Ärzte nicht endlich besser bezahlt würden. Der Politiker hat den Ärzten nichts Gutes zu verkünden. Seine Botschaft: Die TdL werde und könne «nicht nachbessern beim Angebot».

Lang anhaltender Jubel dagegen, als Frank Ulrich Montgomery verspätet auf dem Podium erscheint. Auch der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund präsentiert Zahlen. Es sind dieselben, die Möllring genannt hat. Doch während der Minister eine Verbesserung darin sieht, dass ein junger Klinikarzt im ersten Jahr 3600 statt 3090 Euro bekommen soll, sieht Montgomery Verschlechterungen. Man müsse das zuvor gestrichene Urlaubs- und Weihnachtsgeld und die unbezahlten Überstunden berücksichtigen.

Die Verhandlungsführer drehen sich im Kreis, die Kliniken sind weitgehend lahm gelegt. Wie lange dies so weitergeht, weiß niemand.

 

 




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