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Zecken-Risiko enorm gestiegen - Experten raten dringend zur Impfung
Angesichts stark gestiegener Fälle von Hirnentzündungen (FSME) durch Zeckenbisse raten Experten vor Urlaubsreisen in Risikogebiete dringend zur Schutzimpfung. Außer in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz könnten auch in weiten Teilen Osteuropas Zecken die gefährlichen FSME-Viren tragen, warnte das Deutsche Grüne Kreuz (DRK) in Düsseldorf. In der Regel bezahlten die gesetzlichen Krankenkassen die Impfung.
Die Zahl der FSME-Fälle (Frühsommer-Meningoenzephalitis) hat sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts im vergangenen Jahr um 57 Prozent auf 432 (Vorjahr: 274) stark erhöht. Die meisten Fälle gab es in Bayern und Baden-Württemberg. Die FSME-Risikogebiete werden sich nach Einschätzung von Experten auch künftig ausweiten. Die Blutsauger können außer der Virusinfektion FSME auch die Bakterieninfektionen Borreliose und Ehrlichiose übertragen, die nicht auf Risikogebiete begrenzt sind.
Die FSME-Schutzimpfung sei sehr gut verträglich, sagte Burkhard Rieke vom Düsseldorfer Centrum für Reisemedizin. Die Folgen einer FSME-Erkrankung könnten dagegen bis zur völligen Lähmung reichen. Ein Zeckenstich und die oft erst Wochen später auftretenden ersten Symptome würden häufig nicht erkannt.
Im Gegensatz zur ebenfalls von Zecken übertragenen Borreliose, die im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden kann, gibt es zur Behandlung der FSME keine speziellen Medikamente. Eine Impfung beugt aber nur der FSME und nicht der Borreliose vor, mit der sich schätzungsweise 100 000 Menschen in Deutschland pro Jahr infizieren.
Es komme in etwa 1 000 Fällen dieser Multiorgan-Erkrankung zu Komplikationen.
Wegen der Häufigkeit der Lyme-Borreliose mit etwa 240.000 Neuinfektionen pro Jahr und dem wachsenden Kenntnisstand der Ärzte über diese Erkrankung wird bei immer mehr Menschen "Lyme-Borreliose" diagnostiziert.
Nicht jede Borreliose verläuft schlimm. Nur der geringste Teil der Borrelien-Infektionen führt zu wirklichen Erkrankungen. Das Immunsystem des Menschen besiegt die Borrelien meist früher oder später. Etwa 20 Prozent der Borrelien-Infektionen entwickeln sich zu Erkrankungen, deren Symptomatik und Schweregrad höchst unterschiedlich ist. Es überwiegen leichte bis mittlere Beschwerden, die jedoch bei chronischem Verlauf die Lebensqualität erheblich mindern können. Leider gibt es auch viele schwere Fälle von Borreliose, die sich über Jahre entwickelt haben, weil sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wurden. Wer nach einer Infektion eine frühzeitige Borreliose-Diagnose bekommt, ist in aller Regel schon auf der sicheren Seite, denn eine ausreichende antibiotische Behandlung verspricht eine hohe Heilungsquote.
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Keine Immunität und keine direkte Ansteckung
Gegen Borrelien gibt es keine Immunität. Man kann sich mehrfach infizieren und auch mehrere Borreliosen verschiedener Stadien gleichzeitig haben. Einen Impfstoff gegen Borreliose gibt es für Menschen in Europa nicht. Lyme-Borreliose ist nicht direkt ansteckend, von unwahrscheinlichen Ausnahmen einmal abgesehen.
Diagnose oftmals schwierig
Im Frühstadium ist eine Borreliose durch typische Symptome nach einem Zeckenstich oftmals eindeutig diagnostizierbar. Schwierig wird die Sache, wenn kein Zeckenstich sichtbar oder erinnerlich ist und typische Krankheitsmerkmale wie z.B. eine Wanderröte (Erythema migrans) fehlen. Grippeartige Symptome treten leider nicht nur im Frühstadium einer Borrelieninfektion, sondern auch bei vielen anderen frischen Infektionen auf. Laboruntersuchungen des Blutes helfen in schwierigen Fällen die Diagnose zu sichern, sind jedoch aus verschiedenen Gründen unzuverlässig. Letzte Zweifel darüber, ob eine Borreliose vorliegt oder nicht, können sie nicht ausräumen. Das gilt grundsätzlich für alle Stadien der Borreliose. Für den Patienten gefährlich sind insbesondere die falsch negativen Laborergebnisse, die trotz tatsächlich vorhandener Borrelieninfektion "nichts finden". Eine weitere Blutuntersuchung in einem anderen Labor führt häufig zu ganz anderen Ergebnissen.
Zecke trickreich herausziehen
In der Haut fest sitzende Zecken sind mit ihrem Stech-Saugrüssel dübelartig in der Haut verankert. Sie können selbst nicht schnell loslassen und müssen herausgezogen werden. Große Zecken: Mit den Fingernägeln oder geeigneten (gebogenen) Pinzetten oder Zeckenzangen herausziehen. Ziehen Sie mit geringer Zugspannung gerade und gleichmäßig wie beim Ablösen eines Klebeetiketts.
Kleine Zecken: Benutzen Sie zum Herausziehen der winzigen Nymphen feine Pinzetten. Hilfreich ist das Auftropfen von Kältespray auf die Zecke. Die Zecke und die dortige Hautstelle wird für etwa eine halbe Minute tiefgefroren. In dieser Zeit lässt sich die gefrorene Zecke leicht und ohne gequetscht zu werden herausziehen. Bricht der Saugrüssel der Zecke ab, ist das nicht schlimm. Er verbleibt als ungefährlicher kleiner Splitter noch eine Weile in der Haut und wird später abgestoßen. Die Stichstelle sollte desinfiziert werden. Chemische Hilfsmittel, die das Zeckenziehen erleichtern sollen, schaden nicht, solange sie unmittelbar vor dem Entfernen der Zecke eingesetzt werden. Gefährlich ist das langfristige Traktieren der Zecken vor dem Entfernen, z.B. mit Klebstoff, Fett, Öl.
Gut zu verwenden sind auch die neues Zeckenkarten, man kann die Zecke einfach herausheben. Diese Methode schließt ein Quetschen der Zecke, wodurch die Erregerübertragung gefördert werden könnte, aus.
Halten Sie in der Zeckenzeit folgende Hilfsmittel bereit: Zeckenzange oder feine Pinzette aus Edelstahl, Kältespray, Desinfektionsmittel, Brille, Vergrößerungsglas, Spiegel, Taschenlampe. Dokumentieren Sie jeden Zeckenstich durch Aufkleben der Zecke auf ein Heftpflaster, auf das Sie Ihren Namen und das Datum schreiben. Berufstätige sollten jeden Stich beglaubigen lassen.
Wollen Sie eine Zecke von einem Arzt entfernen lassen, ist der Zeitverlust zu bedenken und die Tatsache, dass nicht jeder Arzt im Zeckenentfernen geübt ist. Übrigens: Der Borreliose Bund fordert die Unterweisung im Zeckenentfernen bei Erste-Hilfe-Kursen.
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Zeckenstich - was nun?
Oftmals werden Zeckenstiche nicht bemerkt. Gerade deshalb ist es wichtig, über die möglichen Folgen von Zeckenstichen gut informiert zu sein.
Meistens folgenlos
Die meisten Zeckenstiche bleiben ohne Folgen, denn nicht jede Zecke trägt Krankheitserreger in sich (allgemeines Erkrankungsrisiko in Deutschland: jeder 100. Stich). Zum Glück führen auch die Stiche infizierter Zecken (jeder 10. Stich) nur relativ selten zu einer Erkrankung. Zudem verlaufen viele Erkrankungen harmlos.
Schnell entfernen
Das Risiko, von einer stechenden Zecke infiziert zu werden, kann durch umgehendes Herausziehen der Zecke deutlich gesenkt werden. Das gilt insbesondere für die Lyme-Borreliose, denn die möglicherweise im Zeckendarm befindlichen Borrelien brauchen in der Regel einige Stunden, bis sie übertragen werden.
Auf Krankheitsmerkmale achten
Von entscheidender Bedeutung für die rechtzeitige Diagnose und Therapie ist das Wissen um die Anfangssymptome. Bei der Lyme-Borreliose kommt es um die Stichstelle oftmals zu auffälligen, typischen Hauterscheinungen (Erythema migrans, Wanderröte), die eine sichere Diagnose erlauben. Die unverzüglich zu beginnende antibiotische Therapie darf nicht von Blutuntersuchungen und deren anfangs immer ungenauen Ergebnissen abhängig gemacht werden. Das gilt auch für andere Krankheitsmerkmale, die mit einem Zeckenstich in Zusammenhang zu bringen sind. Oftmals werden Zeckenstiche nicht bemerkt. Bei Symptomen in der Zeckenzeit ist immer auch an eine durch Zecken übertragene Erkrankung zu denken.
Antibiotika nach jedem Zeckenstich?
Nach neuen Forschungsergebnissen aus den USA lässt sich eine mögliche Borrelieninfektion durch die Gabe von 2OO mg Doxycyclin (ein Tag, 2 x 1OO mg) innerhalb von 72 Stunden nach einem Zeckenstich im Keime ersticken. Manko: Da (statistisch) nur jeder 1OO. Stich zur Erkrankung führt, gehen die allermeisten solcher Vorsorgebehandlungen ins Leere. Die Fachleute empfehlen sie deshalb in der Regel nur bei zusätzlichen Risiken wie Mehrfachstichen oder vollgesogenen Zecken.Eine aufwändigere Vorsorgemethode besteht darin, aus der Haut entfernte Zecken im Labor auf Borrelienhaltigkeit zu untersuchen. Werden Borrelien gefunden, wird wegen des erhöhten Infektionsrisikos eine vorsorgliche Antibiotikagabe über zehn Tage empfohlen.
Wenn Sie hier klicken, http://images.google.de/images?q=erythema+migrans&hl=de&btnG=Bilder-Suche öffnet sich ein neues Fenster mit der Google-Bildersuche. Sie sehen dann eine Auswahl an Bildern mit der typischen Wanderröte. Beachten Sie aber, dass nur ein Arzt die Diagnose stellen darf. Wichtig: Nicht jede Infektion verursacht eine Wanderröte - und nicht jede Rötung ist ein Erythema Migrans. Wenn Sie über die Möglichkeit verfügen, dann fotografieren Sie die Rötung und dokumentieren Sie den Verlauf - das kann später nützlich sein, wenn Sie beispielsweise mit Ärzten sprechen, nachdem die Rötung wieder abgeklungen ist. Hier finden Sie eine Auswahl an Bildern des typischen Lymphozyztoms. Hilfreich kann auch ein Blick in die Links unseres Forums sein. Dort finden Sie eine Rubrik mit Links zu Bildersammlungen - und viele weitere interessante Seitenverweise.
Blutuntersuchungen
Diese Untersuchungen sind in aller Regel erforderlich und hilfreich. Ihre Zuverlässigkeit (es gibt falsch positive und falsch negative Ergebnisse) und Aussagekraft sind jedoch beschränkt. In vielen Fällen ist es nützlich, zwei Labors mit der Untersuchung zu beauftragen.
Probleme mit der Diagnose
Die meisten Ärzte in Deutschland kennen im Zusammenhang mit Erkrankungen, die von Zecken übertragen werden, nur die FSME-Impfprophylaxe und sind in der Diagnose und Therapie unerfahren. Insbesondere in der Anfangsphase einer Erkrankung kann eine verzögerte sachgerechte Behandlung für die Patienten schwerwiegende Folgen haben. Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis nach deren Erfahrung mit Zeckenerkrankungen.
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Gefahr durch Irrtum
Ein weitverbreiteter gefährlicher Irrtum ist, dass eine so genannte "Zeckenschutzimpfung" ("Zeckenimpfung") vor von Zecken übertragenen Krankheiten schützt. Das ist in Wirklichkeit nur ein Impfstoff gegen die FSME. In Deutschland ist die FSME relativ selten und kommt nur in wenigen süddeutschen Regionen vor. Gegen das überall bestehende hohe Risiko einer Borrelien-Infektion und auch gegen andere durch Zecken übertragene Krankheiten gibt es in Europa bisher keine Impfung.
Vorsorge ist der beste Schutz
Haben Sie einen aktiven Impfschutz gegen FSME, brauchen Sie sich wegen dieser Erkrankung nach einem Zeckenstich kaum Sorgen zu machen, den Ihre Immunabwehr besitzt wirksame Antikörper gegen die FSME-Viren. Das Spritzen von fertigen FSME-Antikörpern nach einem Zeckenstich (passive Immunisierung ) kann eine Erkrankung auch nach einem Biß noch verhindern. Aber Vorsicht: Der Schutz einer solchen passiven Immunisierung ist nur relativ gering bei hoher Nebenwirkungsquote. Auskunft über die FSME-Impfprophylaxe im Internet: www.baxter.de oder www.rki.de
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